Ich bin Existenzgründerin! Und du?

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Die Person, mit der dieser kurze Dialog stattfand, meinte es bestimmt gar nicht so: „Nach unserer Definition“, fügte sie noch hinzu.

Trotzdem fühle ich mich hinterher mulmig. Es stimmt: Ich bekomme keinen Gründungszuschuss. Was das genau ist, fragen sich vielleicht all jene, die selber keine Gründer sind.

Gründungsförderung

Der Gründungszuschuss wurde ursprünglich einmal eingeführt, um mehr Menschen in die Selbstständigkeit zu bringen. Gründer erhielten für die ersten Monate eine feste Summe, die z.B. die Krankenversicherung abdeckt. Außerdem gab es die Möglichkeit, eine Verlängerung zu beantragen.

Vor einigen Jahren beschloss die Bundesregierung, diesen bis dahin bestehenden Anspruch auf Gründungszuschuss aufzuheben und durch eine Kann-Leistung zu ersetzen. Heißt: Das Arbeitsamt muss dies genehmigen, wenn ein besonderer Förderungsbedarf besteht.

Inzwischen haben sich die Umstände wieder ein wenig gelockert. Als ich vor zwei Jahren in der Gründungsphase war, ging jedoch gar nichts. Mein damaliger Arbeitsberater winkte gleich ab, als ich ihn darauf ansprach. Was ich damals nicht wusste: Ich hätte zumindest darauf bestehen sollen, einen Antrag stellen zu wollen. Bei Ablehnung des formalen Antrags hätte ich zumindest Chancen gehabt.

Nun landete ich aus der Arbeitslosigkeit, die ich als Weiterbildungszeit und Vorbereitung für die Selbstständigkeit nutzte, direkt bei Null. Nicht nur kein Arbeitslosengeld mehr, sondern auch noch zusätzliche Krankenkassenbeiträge aufbringen. Das ist ganz schön hart (und ohne familiäre Unterstützung wäre das gar nicht möglich gewesen).

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„No offence, but…“

Ich will an dieser Stelle nicht jammern. schokofisch entwickelte sich bereits in den ersten Monaten gut. Im Internet tätig zu sein, hat den großen Vorteil, keine riesigen Investitionen tätigen zu müssen. Sondern ich kann meinen Rechner aufklappen und losarbeiten.

Die eingeschränkte Unterstützung seitens des Staates ist mit niedrigen Arbeitslosenzahlen und „im Prinzip“ guten Jobaussichten begründet. Trotzdem kann sie im Einzelfall auch als ungerecht empfunden werden.

Viel mehr als die Frage nach staatlicher Förderung rege mich also nach dem obigen Dialog die „Definitionsmacht“ über den Begriff Existenzgründer auf. Denn natürlich war (und bin) ich Existenzgründerin!

Eine Existenz zu gründen ist ein Weg und ein Prozess. So können am Anfang einer Unternehmensgründung Dinge entstehen und wachsen.

 

Folgende Punkte sind dabei wichtig, wenn du selber Existenzgründer/in bist:

  • Kundenkontakt: Wer sollen eigentlich deine Kunden sein, und woher kriegst du sie? Akquise, Empfehlungen und Aufträge entstehen nicht, indem du dein Business anmeldest.
  • Netzwerk: Um dich überhaupt bekannt zu machen, ist ein funktionierendes Netzwerk elementar. Dieses gedeiht aber nicht von heute auf morgen oder indem du eine Facebook-Seite einrichtest. Um wirklich zu wachsen, braucht es Zeit. Immerhin sagt man: Fünf Jahre benötigt eine Firmengründung samt Wachstum.
  • Unternehmer/in sein: Nicht zu unterschätzen ist die neue Rolle, in der du dich plötzlich befindest. Das Unternehmen beim Finanzamt anzumelden, ist schmerzlos. Plötzlich für die Buchhaltung zuständig zu sein, nebenbei Aufträge anzunehmen, Angebote zu schreiben, Kontakte zu knüpfen und Artikel für den Blog zu schreiben, erfordert nicht nur Zeit und Aufwand, sondern auch ein neues Selbst-Verständnis.
  • Selbstverantwortung: Sie ist der Schlüssel zu allen obigen Punkten – und letztendlich auch zum Erfolg. Wenn du dich nicht selber um alles kümmerst, nicht mit ganzem Herzen dabei bist und Wege suchst, kannst du es vergessen. Natürlich bist du dafür verantwortlich, deine Rechnungen zu schreiben (und zu zahlen), aber eben auch für deine eigene Weiterbildung und für deine eigene Unternehmer- und Unternehmensgesundheit.

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Ich bin Existenzgründerin! Und du?

Nun wird vielleicht klar, warum ich mich mulmig fühlte nach diesem erwähnten Gespräch: Meine Existenz, mein Unternehmen schlägt noch Wurzeln. Vieles verändert sich während der ersten Jahre noch oder wird vielleicht auch in Frage gestellt. Es gibt Zeiten, wo es weder Einkünfte noch Aufträge noch Fortschritt gibt. Das ist okay und normal. Es wächst!

Klar ist: Solange ich noch keinen festen Kundenstamm habe, keine regelmäßigen Aufträge oder so hohe Einkünfte, dass ich ein sorgloses Leben führen könnte, stehe ich noch am Beginn.

Also: Ich bin Existenzgründerin! Ich stehe dazu und es macht Spaß und ich freue mich auf die weitere Entwicklung! Und: Ich bin, egal ob Gründungszuschuss oder nicht, voll und ganz für mein eigenes Unternehmen verantwortlich.

Und du? Wo stehst du gerade? Siehst du dich als Existenzgründerin?

 

 

Inga
Social Media Managerin, evangelische Theologin, Bloggerin. Ziemlich oft online. Fotografiert, zeichnet und denkt sich immer wieder etwas Neues aus.

4 Kommentare

  1. Liebe Inga,

    feiner Artikel!! Ich habe ebenfalls in genau dem Zeitfenster gegründet, in dem der Existenzgründungszuschuss so gut wie nicht zu bekommen war. Ich habe meinen Antrag im März 2013 gestellt, er wurde prompt mit textbausteinartigen Begründungen abgelehnt und das Ganze hängt seitdem (!) beim Sozialgericht in der Warteschleife. Das Ärgerliche: Etwa ein Dreivierteljahr später hatte sich die Vergabepraxis wieder entspannt und seitdem haben so viele Leute um mich herum den GZ bewilligt bekommen, dass mich zwar für sie freue, aber manchmal trotzdem noch mit den Zähnen knirsche, wenn ich deren Geschichte höre. 🙂

    Als Gründerin sehe ich mich davon unabhängig immer noch und ich bin auch ein bisschen stolz darauf. Ich habe so viel entwickelt, ausprobiert und gelernt in den letzten zwei Jahren, war manchmal zutiefst entmutigt, bin trotzdem an allem gewachsen und dabei immer sicher, dass genau das mein Weg ist. Ich eigne mich einfach nicht mehr für die Käfighaltung; ich bin Freilandhuhn aus Überzeugung. Meine Neugier, die Lust auf Weiterentwicklung , der Spaß am Erfolg und die Freude am eigenen Business ist (meistens 😉 ) ungebrochen und der Gründergeist immer noch da.

    Was auch übrigens sehr viel zu tun hat mit so überaus sympathischen Netzwerk-Menschen wie dir.

    Viele Grüße,
    Steffi

    1. Herzlichen Dank, liebe Steffi!
      Ja, da haben wir beide im „Vergabeloch“ des Gründungszuschusses gegründet.
      Und das Netzwerkkompliment gebe ich sehr gern zurück!
      Liebe Grüße
      Inga

  2. Also die Definition „Gründer ist, wer den entsprechenden Zuschuss bekommt“, greift natürlich geradezu gruselig kurz.
    Ich selbst habe damals erst gar keinen Antrag gestellt, denn ich bin aus einer Festanstellung direkt in die Selbstständigkeit gewechselt und fand, dass das geringe Budget hier vor Ort doch besser anderen zugute kommen sollte.
    Existenzgründerin war ich selbstverständlich trotzdem – und auch wenn ich so manches Lehrgeld bezahlt habe, fand ich die Zeit ganz wunderbar.
    Nach fast zwei Jahren sehe ich mich jetzt aber nicht mehr als Gründerin, sondern als vollwertige Unternehmerin.
    Klar wächst und gedeiht mein Unternehmen weiterhin und natürlich wird es sich in vielen Bereichen noch verändern. Das wird aber hoffentlich auch in Zukunft der Fall bleiben – ganz unabhängig davon, wie lange ich jetzt schon als One-Woman-Text-Machine unterwegs bin. 😉
    Luft nach oben ist hoffentlich für jede(n) von uns zu jeder Zeit. Ganz egal, ob als Gründer oder als gestandener Unternehmer. 🙂

    1. Wie spannend, dass du dich inzwischen als Unternehmerin verstehst und nicht mehr als Gründerin, liebe Catinka!
      Erinnerst du dich, wann das für dich gewechselt hat? Lag es eher an der Zeit, die vergangen war, oder zB an der Menge oder Art der Aufträge?
      Viel Erfolg jedenfalls weiterhin – und herzliche Grüße!
      Inga

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