Wie wir mit Kids heute kommunizieren

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Diese Woche startete die Social Media Week in Hamburg (#smwhh). Gestern verfolgte ich per Livestream die spannende Podiumsdiskussion „Mobile First: Wenn Mamas und Papas mit ihren Kids kommunizieren„.

Netzaffine Eltern diskustierten dort mit ihren Kindern zusammen über die Nutzung von „modernen Kommunikationsmitteln“: Smartphones und Computer, Social Media Kanäle und Apps.

Mit dabei waren Nico Lumma mit Tochter, Thies Arntzen mit Sohn, Inge Seibel-Müller mit Tochter sowie als Moderatorin Christiane Brandes-Visbeck samt ihrem Sohn.

Vorab: Die Livestream-Aufzeichnung können Sie sich hier ansehen – es ist sehr lohnenswert:

 

Direkter Link: http://new.livestream.com/smwhamburg/events/3823548/videos/78100081

Ein paar Aspekte aus der Diskussion möchte ich gerne aufgreifen.

1. Kenne ich nicht, nutze ich nicht

Viele Erwachsene, egal ob Lehrer oder Eltern, scheinen eher Angst zu haben vor „diesem Internet“ oder haben schlicht selber wenig Ahnung. Unwissenheit, aber auch die Furcht, ihre Kinder könnten dort „etwas sehen“, führen zu Verboten. Dabei machen diese die Jugendlichen nur noch neugieriger – falls sie sich darüber nicht sowieso hinwegsetzen.

Auch in der Schule scheinen oft nur Grundlagen über Word oder Excel als „Informatikunterricht“ verkauft zu werden. Diese können die Kids sowieso und haben also meist mehr Ahnung als die Lehrer („Der wusste nicht mal, wie man einen Ordner anlegt!“).

 

2. Ich darf, du nicht

Nico Lumma nannte einen wichtigen Punkt: Keinen Sinn machen Begrenzungen von Computerzeiten, wenn wir als Erwachsene und als Vorbilder selber den ganzen Tag mit dem Smartphone oder Tablet herumsitzen. Wichtig sind also klare Abmachungen: nicht spielen, oder nur zu einer bestimmten Zeit, wenn auch die anderen nicht vor dem Rechner sitzen.

 

schokofisch.de3. Wo bewegst du dich? Die Filterblase

Spannend war, welche Apps und Netzwerke die Jugendlichen benutzen. WhatsApp lag bei allen ganz weit vorne, ebenso wie Snapchat; Instagram weiter hinten, Twitter und Facebook eher wenig. Auffällig, dass es bei den Erwachsenen genau umgekehrt war!

  • Facebook ist definitiv out. Nach den Gründen für die Abwanderung von Facebook befragt, äußerten die Kids, dass dort nur noch Videos gepostet würden bzw. die Inhalte einfach nicht mehr relevant seien. Dies konnten die Erwachsenen gestern nicht nachvollziehen, bei ihnen war das Netzwerk sehr beliebt.
    Teilweise hat die Abwanderung aus Facebook eingesetzt, seit „die Erwachsenen da auch sind“: Ab dann wird es uncool. Sich mit den eigenen Eltern zu befreunden, wird in den Netzwerken möglichst vermieden bzw. abgelehnt. Nicht aus Gründen der Überwachung(ssorge), sondern einfach, weil es dann nicht mehr angesagt ist.
  • Instagram beschrieben die Kids teilweise als „sehr inszeniert“, es ginge nur um Likes und wie toll etwas oder jemand gerade sei. Auch diese Wahrnehmung kann ich nicht teilen.
    Ich erlebe Instagram als sehr kreatives Netzwerk, das Fotografieren teilweise wirklich als Kunstform nutzt. Es geht um Motivwahl und -bearbeitung. Natürlich auch um Essen, Katzen und -zig andere Dinge. Und natürlich finde ich auch nicht alle Beiträge gleich interessant. Aber es ist eines der Netzwerke, das ich am meisten nutze und das ich als wirklich bunt und spannend empfinde.

So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen zwischen den Generationen.

 

schokofisch.deTschüß, wir sind dann mal woanders!

Aus Sicht der Social Media Managerin finde ich diese Entwicklung interessant. Die Entwicklung der Nutzerzahlen auf Facebook wird zunehmend zum Thema, die Abwanderung von Teenagern aus dem Netzwerk ist definitiv ein Thema. Nach der gestrigen Diskussion muss ich aber sagen: Warum eigentlich? Müssen wirklich Junge und Ältere alle in einem Netzwerk sein?

Kids wollen unter sich sein, wollen Neues probieren und auch Trends nachverfolgen. Als Digital Natives nutzen sie soziale Netzwerke und Kanäle wie selbstverständlich – wie eine neue Mode, wie andere Trends. Stelle ich fest, dass eine bestimmte Hose mir passt, ziehe ich ja auch nicht den selben Schluss: „Dieses Modell trage ich jetzt für den Rest meines Lebens!“ (obwohl manche dies sicher tun…).

Meine Generation, und das gilt wahrscheinlich für alle ab etwa 35 Jahren, sind die Digital Immigrants. Wir haben die (damals) neuen Netzwerke wie Facebook und Twitter kennengelernt, uns eingewöhnt und sind nun dort zuhause. Wir ziehen nicht mehr so schnell weiter, auch wenn Neues wie Instagram oder im letzten Jahr Ello uns durchaus „noch“ erreicht. Aber es muss nicht alle drei Monate ein neues Netzwerk sein.

 

schokofisch.de„Nehmt ihr Facebook, aber überlasst uns bitte Snapchat!“

Dieser gestern geäußerte Satz bringt es auf den Punkt: Die Kids haben Facebook verlassen (ganz aktuell gerade bei mir zu Hause passiert!), wir sind also wieder unter uns. Was machen wir daraus?

  • Wir können unsere Netzwerke (weiterhin) professionell nutzen. Als Unternehmerin gesprochen: Ich kann dort auf Facebook meine Firmenseite einrichten, meine Kunden ansprechen, mich fachlich in Gruppen austauschen. Das alles machen Jugendliche sowieso eher nicht.
  • Wir können unsere Netzwerke auch weiterhin privat nutzen. „Stautusmeldungen oder Fotos von Freunden habe ich dort lange schon nicht mehr gesehen!“, sagte einer der Jugendlichen gestern. Heißt: Auch wenn die Kids noch auf Facebook sind oder waren, fand dort keine private Kommunikation mehr statt.
  • Kids suchen sich ihre eigenen Kanäle. Und selbst, wenn wir uns mal im selben Netzwerk aufhalten: Im Zweifelsfall verstehen wir ihre Sprache oder ihre Themen nicht. Und das ist kein Drama, sondern normal.
  • Sich weiterhin miteinander auszutauschen und sich zu unterhalten, schadet aber sicher auch nicht und sollte in den Familien dazu gehören!

 

Wie sind denn Ihre eigenen Erfahrungen mit den Kindern? Gibt es Überschneidungen in Netzwerken, oder gerade nicht? 

 

 

 

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