#BookupDE in den Hamburger Bücherhallen

#bookupDE | schokofisch.de

Twitternde Menschen (wie ich) erobern ja immer neue Lebensbereiche: Beim Tatort, GNTM oder anderen Sendungen? Bekannt! Bei Sportereignissen? Logo. Bei kulturellen Veranstaltungen, im Theater oder Museum? Äh, aha? Und in der Bücheralle, Buchhandlung oder im Verlag? Ach!

Ein Bericht vom #BookupDE in Hamburg.

Die #bookupDE-„Bewegung“ entstand als Vermischung aus den Begriffen Tweetup (= Treffen twitternder Menschen in einer Veranstaltung) und Book = Buch. Twittern über Bücher bzw. aus der Buchbranche? Oh ja, das geht! Stefanie Leo schrieb dazu hier einen tollen erklärenden Artikel.

Auf diese Weise finden Bookups in Buchhandlungen statt, auf der die Twitterer einen Blick hinter die Kulissen werden können, Buchempfehlungen bekommen oder (wie Sonnabend beim Indiebookday-Bookup in Köln) Lesetipps an Ballons in den Himmel steigen lassen. Verlage öffnen die Pforten, Bibliotheken und Büchereien.

So geschah es auch am letzten Freitag die Zentralbibliothek (das ist die Hauptsitz der öffentlichen Leihbibliotheken in Hamburg, diese heißen hier Bücherhallen). Diese befindet sich im Hühnerposten, einem markanten Gebäude nahe dem Hamburger Hauptbahnhof, das früher als Hauptpostamt diente. Seit gut zehn Jahren beherbergt es nun die Zentralbibliothek.

Die zuständige Social Media Managerin, Sina Schröder, hatte das Treffen organisiert und erwartete uns gespannt mit einigen KollegInnen. Nach einer Einführung ging es gleich hinter die Kulissen: durch normalen Besuchern verborgen bleibende Treppenhäuser zur zentralen Erwerbung.

Durch die Hinterzimmer der Bücherhalle

Wer bestellt was wo, das ist die hier die Frage. Zuständig sind die Kollegen des Medienlektorates, die einen Etat von immerhin 3,4 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung haben. Der Bestand umfasst etwa 1,7 Mio. Titel.

Weiter ging es zur technischen Medienbearbeitung, wo hauptsächlich Nonbooks konfektioniert werden. Bücher werden vom Lieferanten bereits bearbeitet angeliefert (Einschweißen, Kennzeichnung), während CDs oder Bücher, denen z.B. Landkarten beigelegt werden, hier vor Ort gesondert bearbeitet werden.

Beeindruckt hat das Personal der Bücherhalle die Gruppe besonders durch die Bezeichnung der einzelnen Standorte der Bücherhallen in Hamburg: So steht (historisch gewachsen) „N“ für Altona, „S“ wie Wandsbek oder „G2“ für Fuhlsbüttel – kein wirklich logisches System, das die Mitarbeiter aber im Schlaf kennen. Die Offenbarung immer neuer Abkürzungen war daher der Running Gag an diesem Nachmittag.

Nun übernahm die Kollegin aus der Technik und führte uns am schwersten Buch der Bücherhalle vorbei (25 kg! Nein, nicht ausleihbar…) zum Computerraum, wo auch ein 3D-Drucker zur Verfügung steht. Einige Objekte konnten wir bestaunen, leider den Drucker nicht in Aktion erleben. Aber immerhin: Ich habe so ein Ding noch nie gesehen, und die ausgedruckten Gegenstände beindruckten wirklich!

Das Highlight: die Sortieranlage

Dass zurückgegebene Bücher wieder nach Signatur oder Fachgebieten sortiert werden müssen, ist eigentlich klar. Was aber tun, wenn es 2,37 Mio. zirkulierende Titel im Jahr in ganz Hamburg sind?!

Die Bücherhalle stellte sich dafür eine Maschine ins Haus. Diese Anlage, immerhin die größte in Europa, kommt aus Dänemark und sortiert jeden Tag 16.000 Titel. Speziellen Kollegen betreuen die Technik, so ist sichergestellt, dass bei Alarm oder Pannen immer sofort Hilfe da ist. Unsere Gruppe durfte hinter den Kulissen in Ruhe schauen („Aber nix anfassen!“) und staunen.

Was passiert hier nun genau? Leser geben ihre ausgeliehenen Medien zurück, indem sie die Titel in den dafür vorgesehenen Schacht der Maschine einlegen. Von hinten aus betrachtet sieht der Rest dann so aus:

Schon beim Einlesen des zurückgebenen Mediums erhält dies einen „Liegeplatz“ zugewiesen, in dem es am Ende landet. In die unten stehenden Wagen werden die Titel also sortiert und können, wenn sie voll sind, zurück in die Ausleihe. Perfekt!

Jährlich 14 Mio. Ausleihen bei 5 Mio. Besuchern werden in den Bücherhallen in ganz Hamburg gemanagt. Darunter nicht nur Bücher, sondern auch CDs, Noten, E-Books und sogar Streaming.

Ein besonderer Service dabei: Leser können Medien an einem Standort ausleihen und am anderen abgeben. Auch diese Titel müssen widerum sortiert und an die ursprünglichen Standorte zurückgefahren werden. Dies geschieht noch per Hand und Auto.

Was ich nicht wusste: Die Hamburger Bücherhallen sind eine private Stiftung. Deshalb blieb der Medienetat in den letzten Jahren auch konstant und wurde nicht gekürzt.

Man versucht, den Kunden den bestmöglichen Service zu bieten: Aktuelle Titel und Bestseller können so bereits kurz nach Erscheinen ausgeliehen oder vorgemerkt werden, nicht erst (wie viele denken), nach einer bestimmten Laufzeit.

Nach dieser Rundtour durch die Zentralbibliothek bekamen wir eine Stärkung und letzte Fragen wurden beantwortet.

Medieninfos auf allen Kanälen

Als Social Media Frau interessierte mich, welche Aufgaben für Sina Schröder hauptsächlich anstehen.

Sie erzählte, dass natürlich Facebook bedient wird, hier mit der Besonderheit, dass eigentlich aus allen Stadtteilen Neuigkeiten verbreitet werden und daher viel Material (Veranstaltungen, Lesungen und Informationen) zur Verfügung steht, das sortiert werden muss.

Seit kurzem gibt es einen Twitterkanal, außerdem sind die Bücherhallen auf Google+ und Youtube.

Als Mitglied der Innovationsteams arbeitet sie außerdem an dem Ausbau der Webseite mit.

Das hört sich nach einem sehr spannenden Arbeitsfeld an – mit lauter Bücher und Medien drumherum. Mir als Bücherliebhaberin und gelernter Buchhändlerin lässt das jedenfalls das Herz aufgehen!

Zum Ende des Bookups erhielten alle eine schicke Bücherhallen-Tüte mit weiteren Infos. Zum Stöbern und in-Ruhe-umschauen blieb nun gar keine Zeit mehr, denn der Feierabend war auch für die Mitarbeiter der Bücherhalle gekommen.

Meine letzten regelmäßigen Besuche in der Zentralbibliothek liegen schon fast 15 Jahre zurück, ups. Ich wohnte danach nicht mehr in Hamburg bzw. war nie regelmäßig in der Innenstadt, so dass sich eine Nutzung nicht lohnte. Nun aber, mit einem Büro quasi um die Ecke… Ich werde mich aber auf jeden Fall noch einmal in Ruhe dort umschauen und, jetzt frisch (neu) angemeldet, auch intensiv nutzen.

Ein großes Danke allen, die uns so fabelhaft in der Zentralbibliothek betreut haben und uns diesen Blick ermöglicht haben!

Ich freue mich schon auf’s nächste #BookupDE – wo auch immer… !

 

P.S: Während des gesamten Nachmittags twitterten wir natürlich wie verrückt! Hier gibt es das Storify zur Veranstaltung, und auch unter dem Hashtag #bookupDE könnt ihr bei Twitter noch mal stöbern.

 

 

Diesen Beitrag teilen:
Inga
Social Media Managerin, evangelische Theologin, Bloggerin. Ziemlich oft online. Fotografiert, zeichnet und denkt sich immer wieder etwas Neues aus.

4 Kommentare

  1. Liebe Inga,
    ein wirklich besonders schöner Einblick in den Alltag der Arbeit in der Zentralbibliothek.
    Wie du weißt habe ich über 10 Jahre dort gearbeitet und kann sagen:“Genauso ist es dort! Ein Bücherparadies!“
    Herzliche Grüße,
    Kirsten

    1. Hej liebe Kristen,
      sehr lieb, danke! Wenn sogar Insider wie du es wieder erkennen…! 🙂 Hat aber auch wirklich viel Spaß gemacht.
      Liebe Grüße
      Inga

Kommentare sind geschlossen.