Under pressure

Kaffee | schokofisch.de

Jeden Tag nur 10 Minuten zu bloggen – das sollte doch möglich sein?! Kaum hatte ich mich vorgestern begeistert der Blogparade #10minBlog von Maren Martschenko angeschlossen, passierte gestern – nichts. Ich hab’s nicht geschafft. Arbeit, noch etwas einkaufen, dann die Freundin treffen, mit der ich verabredet war.

Vor dem Zubettgehen überlegte ich dann, ob ich noch müde zehn Minuten „pflichtbloggen“ sollte. Und merkte dann: Nein, ich bin zu müde. Heute Morgen beschloss ich, genau das zum heutigen Thema zu machen.

„Under pressure“. Kennt ihr den Song von Freddie Mercury und David Bowie? Ich mag ja die Puppenversion am liebsten:

Auch wenn es im Song nicht direkt um diesen Druck der Arbeit geht: Den Druck, schreiben (oder andere Dinge erledigen) zu müssen, kennen wir doch irgendwie. Und Maren hatte ja in ihrem ersten #10minBlog-Artikel beschrieben, dass Glaubenssätze eine große Rolle dabei spielen, warum man nicht bloggt.

Druck rausnehmen

So ging es mir gestern: „Oh je, ich habe heute nicht geschrieben…“ – genau davon gilt es doch, sich freizumachen. Gepflegt etwas sein zu lassen. Den Feierabend genießen.

Vielleicht ist das gerade ein Artikel über das Gegenteil von #10minBlog – sich nicht einzwängen zu lassen. Aber vielleicht sind die beiden Aspekte, nämlich das sich-aufraffen und das auch-mal-sein-lassen einfach die zwei Pole, zwischen denen wir uns bewegen.

Und wie bei einem guten Espresso im italienischen Kaffeekocher gehört dazu, auch mal den Druck abzulassen, bevor das genießbare Getränk fertig ist. Was für ein Bild! 😉

 

shift 2018: Veränderung wagen

shift | schokofisch.de

Vertraut den neuen Wegen, / auf die der Herr uns weist, / weil Leben heißt: sich regen, / weil Leben wandern heißt.

Was das Kirchenlied (EG 395, der Text ist übrigens von 1989!) thematisiert, ist Veränderung. Aber diese Veränderung bringt keine Stagnation mit sich, keinen Stillstand, sondern Lebendigkeit und Mobilität!

„Digitalisierung wird total überschätzt“, lautete das Eingangsstatement von Landesbischof Ralf Meister bei „shift„. Schließlich sei er erst in einem relativ späten Lebensalter damit konfrontiert. Kindheit und Jugend, junges und mittleres Erwachsenenalter – alles kam ohne aus. Doch sich den neuen Zuständen zu stellen ist wichtig.

Shift“ – der englische Ausdruck für Veränderung war gleichzeitig auch der Titel der, tja, Konferenz?, die am vergangenen Donnerstag in Hannover stattfand. Angesprochen von meinem Kollegen, wusste ich gar nicht genau, was mich erwartet. Da das Team der Evang.-luth. Landeskirche Hannovers sehr innovativ ist, fuhr ich gespannt hin.

Eine Menge Speaker*innen und Themen wurden avisiert. Ungewöhnlich schienen zunächst auch der Ort (Hafven, ein Co-Working Space) und die Uhrzeit (16-22 Uhr). Zusammenfassend kann man sagen: Eine Menge unterschiedlicher Wahrnehmungen von shift im (mehr oder weniger starken) Umfeld der Kirche. Vom Aufbau eines Co-Working Space über die Entwicklung von fairen Smartphones über Neuromarketing und die Frage, wie weit die Kirche eigentlich mit dem Thema Digitalisierung ist bis hin zum Coden für Kinder.

Veränderung führt zu Energie

Die Bandbreite war bunt, die anwesenden Gäste auch. Tatsächlich weiß ich nicht genau, ob man nur auf Einladung kommen konnte oder sich auch anmelden konnte. Oder wer die „Zielgruppe“ war – ich kannte selber nur einige wenige. Fakt ist aber: Es steckte eine Menge Energie in shift.

Persönlich gefiel mir der Vortrag von Gesa Lischka (@kochstrasse) zum Neuromarketing gut: Keine weltbewegenden Fakten, aber sie warf bei mir Fragen auf, wie wir (als Kirche) unsere Social Media Arbeit gestalten. Was sprechen wir wie an? Wecken wir mit Facebookposts Gefühle, oder wollen wir sachlich informieren?

Spaß, Gärtner und Fürbitte

Das Duo aka Sandra Bils () und Maria Herrmann () machte sich (etwas theoretische) Gedanken um Chaos und Logik – und wie dies zur Mission führen kann. In komplexen Zusammenhängen gehe es nicht mehr um „best practice“ (auch so ein buzzword!), sondern um Spaß. Nur dann kann Wandel gelingen!

Highlight für mich war der Talk von Johannes Kleske (@jkleske), dem „Typ ohne Folien“. Er verwarf alle gängigen Sätze zur Digitalisierung spielend. Und forderte die Kirche auf, auf die Digitalisierung nicht nur zu reagieren, sondern mitzugestalten. Wichtige Kompetenzen verschiedener Art seien ja vorhanden. Auch seine Beispiele von Führungskräften und ihrer Wahrnehmung, ja bereits kräftig bei der Digitalisierung mitzumischen, wischte Johannes vom Tisch: Die Angestellten beurteilten das nämlich jeweils genau gegenteilig. Sätze, die wegen der hohen Aktualität (Ausbau des schnellen Datennetzes, Flugtaxis statt Breitband) umso nachhaltiger wirkten. Das Plädoyer mündete in der Forderung, Führungskräfte mögen mehr Gärtner sein statt Generäle. Ermutigen statt zu befehlen und unterstützen, statt platt zu machen. Wunderbar.

Der Pastor und Blogger Simon de Vries (@simondevries) gab im Anschluss ein sehr praxisnahes und berührendes Beispiel, wie man Snapchat in der kirchlichen Arbeit einsetzen kann. Er hatte sich auf Snapchat mit Konfirmanden angefreundet und zeigt ihnen seine wichtigen Orte in der Kirche – u.a. einen Leuchter mit Fürbittenkerzen. Daraus ergab sich eine Aktion, Kerzen für sie anzuzünden – eine einfache Idee, die viele dazu brachte, ihre Bitten an ihn zu schicken. Das Beispiel zeigt, wie wichtig Seelsorge und Gebet auch für Jugendliche sein können (auch wenn sie das vielleicht anders bezeichnen würden). Und zeigt auch, dass Social Media eben kein „Ausspielkanal“ für Meldungen ist, sondern ein ganz eigenes Medium, für das je eigen gedacht werden muss.

Fazit: Spannend, wahnsinnig viele Gedankenanstöße, ein paar mehr Pausen zum „verdauen“ und zum Austausch wären toll gewesen, und es hängt viel nach.

Ein kurzes Video der Landeskirche Hannovers gibt einen kleinen Einblick, wie’s war:

Impressionen sh|ft 2018 Forum Digitalität, Kultur, Ethik

Impressionen von der sh|ft 2018 Konferenz zum Thema Digitalität, Kultur und Ethik.

Posted by Landeskirche Hannovers on Sonntag, 18. März 2018

 

Weitere Infos zu shift gibt es hier oder auf Twitter unter #shifthappens2018.

Privat oder persönlich auf Facebook?

schokofisch.de

Auf einem Internet-Treffen der Nordkirche letzte Woche kam während einer Vorstellungsrunde und der Frage „In welchen sozialen Netzwerken bist du aktiv?“ eine spannender Punkt auf. Denn viele in der Runde pflegen zwar einen beruflichen Account (z.B. auf Facebook), nutzen das Netzwerk privat aber nicht. Andere dagegen schon. Aber: Wieviel „privat“ geht, wenn man auch beruflich aktiv ist, und wieviel Vermischung funktioniert / ist gut / möchte ich zulassen?

Keine leichte Frage, die – das vorweg – natürlich jede/r selbst für sich klären muss. In meiner eigenen Wahrnehmung hat sich dabei allerdings auch viel verändert. In erster Linie Facebook selbst.

Als ich mich vor rund zehn Jahren auf Facebook anmeldete, befreundete ich mich tatsächlich mich Freunden. Gruppen oder Seiten spielten für mich damals (falls es sie überhaupt schon gab?) keine Rolle. Facebook war eher ein Tool, um sich auszutauschen – damit aber auch nicht sehr tiefgründig, da eben auch relativ öffentlich.

„Ich bin Social Media Managerin“

Das änderte sich grundlegend, als ich mich auch beruflich mit Social Media zu befassen begann. Plötzlich entdeckte ich den Wert von Gruppen wie einer Lerngruppe des Kurses, den ich absolvierte, fachlichen Austausch- oder thematischen Gruppen. Hier begannen sich nun auch berufliche und private Kontakte zu vermischen. Ich befreundete mich auf Facebook mit Menschen, die ich in Kursen kennenlernte, wir aber persönlich keinen (direkten) Kontakt hatten.

Damit veränderte sich auch der Inhalt: Ich richtete eine Seite für schokofisch ein, stellte dort thematische Beiträge ein und tauschte mich – natürlich auch privat – viel darüber aus. Private Posts auf meinem Profil entwickelten sich zwar auch weiter in Richtung „was habe ich gemacht“, in Form von Fotos, oder private Blogbeiträge wie Buchbesprechungen. Immer ging und geht #catcontent. Wer mit mir befreundet ist, muss mit Fellflausch rechnen. Aber rein berufliche Kontakte hatten hier eher nichts zu suchen.

Für rein („seriöse“) berufliche Kontakte nutzte ich zu dieser Zeit tatsächlich XING, teilweise auch LinkedIn. Diese Netzwerke verstehe ich als Sammlung von Kontakten, mit denen ich direkt oder indirekt beruflich etwas zu tun habe / hatte, vergleichbar mit einer Art Visitenkartenkartei. Privat und geschäftlich waren damals also relativ getrennt.

„Hallo Kirche, hier ist alles anders!“

schokofisch.deMit meinem Stellenantritt vor zwei Jahren bei der Radiokirche stellte ich plötzlich fest: Wer bei der Kirche arbeitet, ist nicht bei XING oder LinkedIn. Oder nur mit einem eher wenig gepflgten Profil. Nein, Kirchenmenschen nutzen Facebook. Und das gerne. Ich erhielt plötzlich zahlreiche Freundschaftsanfragen, auch von Leuten, die ich gar nicht kannte oder von denen ich nicht wusste, wer sie waren. Es schien normal, sich mit manchen von ihnen anzufreunden.

Und ich gebe zu: meine Hemmschwelle sank. Immer mit dem Hintergedanken: „Okay, wenn ihr meine Katzenbilder sehen wollt, könnt ihr meine Freunde sein.“

Wenn ich heute meine Freundesliste durchschaue, ist es tatsächlich eine wilde Mischung. Verwandte, Freund*innen von früher und heute, ehemalige und aktuelle Kolleg*innen, Blogger*innen und Social-Media-Menschen, aber eben auch diverse Kirchenkontakte, die ich nicht alle persönlich kenne. Beim Durchschauen denke ich manchmal: „Ach, wir sind auch befreundet?“, weil ich nie Statusmeldungen von jeden lese oder wir eben keinen direkten Kontakt haben. Aber das ist okay, weil mein Katzenbilderargument zählt: Nervt dich mein Flausch, könntest du mich ja auch entfreunden.

Und nun: privat oder persönlich?

Ein Teilnehmer beim Treffen sagte: Ich bin persönlich auf Facebook, authentisch, erreichbar – aber eben nicht privat. Das, meinten auch einige in der Runde, ginge gar nicht, wenn man das Netzwerk beruflich nutzt. Andere widersprachen. Das wird sicher ein Session- und Gesprächsthema auf dem Barcamp Social Media der Nordkirche Ende Januar sein, stellte sich heraus, denn es bewegt viele.

Für mich vermischen sich beide Punkte. Natürlich bin ich persönlich auf Facebook, aber eben auch privat. Ohne den privaten Aspekt – glaube ich – hätte das Netzwerk für mich keine Bedeutung. Allerdings überlege ich natürlich, was genau ich poste und wie privat ich bin. Denn auch im reellen Leben erzähle ich ja nicht jede*m alle Details meines Privatlebens. Aber um authentisch zu sein, gehört ein Schuss Privatheit eben auch dazu.

So habe ich mich ganz gut arrangiert, finde ich – für mich selber. Dass andere es anders sehen – klar. Es ist eine persönliche Entscheidung.

 

Barcamp Kirche Online: Von 3D-Druck zu 360°-Video

Köln | schokofisch.de

Alles wird echter: Die Kommuniktion, die Wahrnehmung und die Darstellung. Auch in der digitalen Kirche. Zu erleben beim diesjährigen Barcamp Kirche Online, das am letzten Wochenende in Köln stattfand.

„Ausgebucht!“, so lautete vor ein paar Wochen die Info zum Barcamp Kirche Online. Das gab’s noch nie – aber zeigt, wie wichtig auch für „Kirchens“ dieses Internedings inzwischen ist. Ursprünglich gestartet als Infobarcamp für Gemeinden und Ehrenamtliche, mauserte sich das #bckirche schnell zu einem Fachtreffen für alle, die im deutschsprachigen Raum digital in oder für Kirche arbeiten.

bckirche | schokofisch.de

Vernetzung: digital und real

Austausch, das war auch mein Anliegen. Bereits im letzten Jahr hatte ich am #bckirche teilgenommen und mich mit tollen Menschen vernetzt. Als innerhalb der Kirche im NDR allein für Social Media Zuständige bin ich darauf angewiesen, meine digitalen Kontakte bei Fragen, Ideen und Brainstrom hinzuzuziehen. Das klappt super, aber so ein Treffen „in der Kohlenstoffwelt“ gibt immer wieder ganz andere Impulse.

So begann das Networking am Freitag Abend im Brauhaus und endete am Sonntag im Bahnhof. „Wie gehst du mit Thema X auf Facebook um?“ bishin zu „Welche Technik setzt du für Videos ein?“

Digitale Möglichkeiten

Karsten KopjarSessionangebote gab es dank der großen Teilnehmeranzahl genug. Spannend zu hören war der Ausblick von Karsten Kopjar von der EKM zur Vision einer Onlinekirche: Ein Projekt, das zukünftig Interessierte und Engagierte online versammeln will und betont auch über die Grenzen von Landeskirchen hinweg organisiert werden will. Besonders in dünn besiedelten Gebieten oder in solchen mit wenig Kircheninteressierten könnten Online-Hauskreise oder gemeinsame Skype-Lunchangebote spannend sein. Auch die Frage, welche Rolle Smartphones zukünftig in Gottesdiensten spielen (können), wurde diskutiert: Immerhin haben wir diese Geräte quasi immer bei uns, sie werden bisher allerdings eher nicht eingesetzt.

Jan Ehlert von der EKiR stellte in seiner Session vor, welche digitalen Möglichkeiten es für Gemeinden gibt: Von der internen Organisation wie einem gemeinsamen Cloudspeicher für die Landeskirche oder Gemeinde, gemeinsam zu bearbeitenden Dokumenten und der Organisation von Protokollen und Fotos bis hin zur Frage der Chat- und WhatsApp-Seelsorge und der Speicherung von gehaltenden Predigten als Audiofiles.

Mit Oliver Quellmalz von der Nordkirche diskutierte ich in einer Session mit den Teilnehmenden über Trolle und Hatespeech. Tatsächlich haben viele Erfahrungen mit sehr eifrigen Usern auf Facebook, die andere mit ihren Überzeugungen konfrontieren, ohne wirklich diskussionsoffen zu sein. Dass dies durch die sozialen Medien verstärkt wird, davon waren alle überzeugt. Richtig zuverlässige Mittel dagegen gibt’s leider nicht…

Am zweiten Tag gab’s für mich viel Technik-Input: Wolfgang Loest aus der Lippischen Landeskirche stellte zunächst seinen 3D-Drucker vor und erzählte, wie und wofür er ihn in der Gemeindearbeit einsetzt. In einer weiteren Session ging es dann um den Einsatz von 360°-Kameras. Auf ein Stativ gesetzt, schaute er damit wie ein Wanderprofet aus – die technischen Ergebnisse sind inzwischen aber erstaunlich gut, wenn man ausreichend Speicher und Rechnerleistung zur Verfügung hat und die entsprechenden Programme, um sowohl Fotos als auch Videos entsprechend zu bearbeiten. Per Smartphone und Cartboard lässt sich das Ergebnis leicht in der virtuellen Realität betrachten. Und „in ein bis zwei Jahren sicher Standard“, so Wolfgang.


Christoph Breit von der ELKB entwickelte in seiner Session einen Überblick über digitale Anforderungen für Kirchengemeinden. Dabei stellte er gewissen „must have“-Faktoren wie einer Webseite und Kontaktinfos in verschiedenen Abstufungen auch „nice to have“-Faktoren zur Seite, die in Zukunft denkbar und wünschenswert wären. Den bereits dazu verfassten Blogartikel lest ihr hier.

Ingo DachwitzVertraut den neuen Wegen!“, forderte Ingo Dachwitz schließlich: „Social Media für Kirchen und Gemeinden“ ist längst noch nicht Standard. Wenn man sich allerdings anschaut, wie viele junge Leute Smartphones und digitale Medien nutzen, muss man zum Schluss kommen, dass der Kommunikationswandel bereits stattgefunden hat. Argumente wie „Lohnt sich für mich / uns nicht mehr“ können da einfach nicht gelten.

Spaß machte mir die Session über Slow TV von Ulli Naefken: Ein in Norwegen entstandenes Fernsehformat, das in Echtzeit Schiffe oder Züge auf ihren Routen oder Lachse den Fluss hinauf begeleitet. Beim nächsten Mal wurde das norwegische Kirchengesangbuch komplett durchgesungen – und das wiederum live gesendet. Wie sich das für kirchliche Themen umgesetzen lässt, überlegten wir – und es gibt durchaus Ansatzpunkte.

Wo waren eigentlich die Frauen, fragte ich mich beim Verfassen dieses Artikels. Doch, die waren auch da. Ich aber nicht in ihren Sessions. Aber z.B. präsnetierte Ines Langhorst vom Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg ihre #Sonntagsmomente, Ines Hansla von Kirche Hamburg stellte die #Instakirche vor. Ihr könnt unter dem Hashtag #bckirche ganz viel nachlesen und hier sogar einige Sessions ansehen.

Nächstes Jahr wieder? Dann voraussichtlich in Dortmund! Ich bin gespannt, wie sich #digitaleKirche bis dahin weiter entwickelt!

 

 

Knipsen in der Kirche: #instakirche

St. Jacobi Hamburg | schokofisch.de

Die St. Jacobi-Kirche in der Hamburger Innenstadt: eine alte ehrwürdige Kirche, eine der Hamburger Hauptkirchen. Ich zücke mein Smartphone und fotografiere. Soweit, so gut. Das besondere: Wir sind allein, die Kirche ist an diesem Abend geschlossen. Exklusiv dürfen wir hinter die Kulissen gucken – und knipsen.

Wir sind nur knapp zehn Menschen, aber verteilen uns im gesamten Kirchenschiff. Dürfen auf der Kanzel stehen und den Altar „hintergehen“. Können durch die Bänke schlendern und uns auf den Boden setzen.

Mit offenen Augen

Ich merke, dass ihr anders durch die Kirche lauft als Touristen„, sagt Julia Siebrecht. Sie ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Kirchengemeinde und hat diesen Instawalk mit organisiert. „Ihr schaut einfach anders!“, fügt sie noch hinzu.

Das stimmt. Instergramer haben „den Blick“: Kleine Details oder ungewöhnliche Perspektiven – wir fotografieren viel und oft anders als ein Tourist, der „nur“ ein Erinnerungsfoto macht. Dabei wird viel ausprobiert, manches verworfen und anderes neu erfunden. Oft wirkt ein Bild nach der Bearbeitung oder dem Hochladen auf Instagram und einem besonderen Filter ganz anders, viel interessanter.

In Szene setzen

Bleibt mal so stehen!„, höre ich von hinten, als ich gerade im Mittelgang stehe und die alte Arp-Schnitger-Orgel anblicke. Auch das ist ein Stilmittel: Andere Menschen ins Bild zu holen und zu positionieren. Manche Instagramer inszenieren ihre Bild jedesmal mit einem bestimmten Utensil: einem bunten Schirm, der Frau in der knallroten Jacke, einer Glaskugel. Jede/r findet so seinen Stil, kreiert Eigenarten und Besonderheiten.

… und offenen Ohren!

Etwas später steigen wir durch das Barocktreppenhaus zur Orgelempore hinauf. Wir bewundern den alten, nicht mehr genutzten Spieltisch mit seinen seltsamen Registerzügen, und lassen uns von der Organistin Kerstin Wolf die Arp-Schnitger-Orgel erklären.

1653 erbaut, ist sie eine der bedeutendsten Barockorgeln Europas und lässt jedem passionierten Organisten und Orgelliebhaber das Herz höher schlagen. Ich habe selber (viel zu kurz) mal Orgelunterricht gehabt, kann das leider gar nicht gut (ich hatte nie Klavierunterricht) – aber der Klang und die Bedeutung dieses Instruments erwecken sofort Gänsehaut in mir…

Schließlich dürfen wir noch in das Innenleben der Orgel schauen. Ein dunkle Kammer mit Pfeifen, und über dem Spieltisch gibt es noch einen ersten Stock. Einige der Pfeifen sind so winzig, dass man kaum glaubt, sie hören zu können. Doch das kann man, wie wir uns danach überzeugen können. Und die ganz langen, tiefen Pfeifen erzeugen mehr eine Schwingung als einen „schönen“ Ton. Aber genau das macht eine echte Orgel aus, im Gegensatz zu rein digitalen Instrumenten: Man nimmt den Klang mit dem ganzen Körper wahr.

Am nächsten Freitag, dem 18. August, findet der dritte und letzte Instawalk in St. Jacobi statt. Wer Lust hat, melde sich über Instagram direkt bei @stjacobinsta an!

Herzlichen Dank an alle, die diesen Instawalk möglich gemacht haben! Auf Instagram könnt ihr die entstandenen Bilder unter #stjacobinsta und #instakirche bewundern.

 

Kirche in der digitalen Welt

Fenster | schokofisch.de

Passen Kirche und Digitalistan eigentlich zusammen? Verkündigung online, Social-Media-Gottesdienste, geistliche Impulse in den sozialen Netzwerken oder Blogs von Menschen, die in der Kirche arbeiten: Die Vielfalt ist groß.

Warum erscheint die Schere zwischen dem, was tatsächlich da ist und dem, was wahrgenommen wird, so groß? Und gibt es tatsächlich (kirchliche) Widerstände gegen die Digitalisierung, oder sieht es nur so aus?

Im Netz findet dazu gerade eine lebhafte Diskussion statt, mit unterschiedlichen Ansichten – am besten nachzulesen unter #DigitaleKirche. Ich versuche hier auch mal, meinen Standpunkt darzulegen.

1. Nicht alle Menschen sind online

Wenn es um Gottesdienst und Verkündigung sowie Seelsorge geht, zählt das Wort. Wie in den meisten Formen der Kommunikation auch. Ob 1:1 oder in Form von Unterhaltungen mehrerer Menschen. Niemand, der ernsthaft an der Thematik #DigitaleKirche teilnimmt, will das abschaffen und durch Social-Media-Kommunikation o.ä. ersetzen. Es wird also niemandem etwas weggenommen, wenn wir über #DigitaleKirche sprechen.→ weiterlesen

Zwischen den Jahren

Schaalsee | schokofisch.de

Das letzte Jahr war ja aus „schokofisch-Sicht“ gesehen eher ruhig. Tatsache ist: Seit ich einen festen Job habe, liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit dort. Das bedeutet: Ich beschäftige mich viel mit Social Media – aber eben nicht unbedingt hier bei schokofisch. Aber ich will versuchen, euch einmal einen Einblick zu geben und das Jahr etwas Revue passieren zu lassen!

Die sozialen Netzwerke, die ich für die Kirche im NDR betreue, haben viele User und durch ihren thematischen Schwerpunkt „Kirche“ auch, nun ja, polarisierende Fangruppen. Daher bestand die Arbeit dort auch aus Community Management und Moderation, dem Ausinandersetzen mit dem Thema Hate Speech bzw. Counter Speech. Letzteres ist ja eh in aller Munde – so zu erleben beispielsweise auf der re:publica. Zahlreiche Sessions zu diesem Thema verdeutlichten, dass das Hinterfragen und Meinung äußern im Netz tatsächlich nicht nur schön (weil freie Meinung äußern) ist, sondern auch ein echtes Problem. Das bestätigte sich ebenso auf dem Barcamp Kirche online in Köln und auf dem Evangelischen Medienkongress in Hamburg. → weiterlesen

4. Evangelischer Medienkongress: „ob“ oder „wie“?

Medienkongress | schokofisch.de

Die Podien waren prominent besetzt, und eine Preisverleihung gab’s auch – spricht doch dafür, dass der 4. Evangelische Medienkongress am 12. und 13. Oktober 2016 in Hamburg ein Erfolg war. Ein persönlicher Rückblick aus Social-Media-Sicht.

Zum Schluss waren alle Tickets vergeben und die Warteliste stand an. Wer kein Glück mehr hatte, für den blieb nur Twitter zum Mitlesen. Aber Moment… wie war noch mal der Veranstaltungs-Hashtag? Eine Frage, die sich die Teilnehmenden schließlich selber beantworteten mussten: Denn leider wurde weder im Vorweg noch zu Beginn der Veranstaltung ein Hashtag kommuniziert worden.

Auch eine Twitter-Wall hatte es leider nicht zum Kongress geschafft. Für Barcamp-Besucher*innen wie mich ungewohnt. Immerhin stellte der NDR, in dessen Räumen der Kongress stattfand, stabiles WLAN – auch leider heute nicht auf allen Veranstaltungen selbstverständlich!

Barcamp-Besucher*innen-ungewohnt war auch der feste und sehr straffe Zeitplan. Da wir uns in kirchlichen Zusammenhängen bewegen, in denen es klare Hierarchien gibt, begann der Kongress mit Grußworten des NDR-Intendanten Lutz Marmor, der Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs und des EKD-Medienbeauftragten Markus Bräuer.→ weiterlesen

Mein neues HSP-Blog: schokogiraffe!

schokogiraffe.de

Liebe alle,

hier auf schokofisch schrieb ich ja in letzter Zeit öfter über das Thema Hochsensibilität. Damit das hier nicht Überhand nimmt, habe ich ein ganz neues Blog zu diesem Thema eingerichtet: schokogiraffe!

Ihr merkt es am Namen, die schokogiraffe ist quasi die kleine Schwester vom schokofisch. Seid willkommen, euch drüben umzusehen – und hier geht es dann weiterhin um kreative Dinge und Social Media!

Herzliche Grüße,
Inga

 

„Bist du gerade hier?“ – Instawalk in Stockholm

Stockholm | schokofisch.de

Urlaubszeit, yeah! Wie schon letztes Jahr zog es mich nach Schweden. Stockholm, genauer gesagt. Da ich einfach zu netzaffin bin, um mein Smartphone zwei Wochen zur Seite zu legen, wechselte ich auch dieses Mal hinter der Landesgrenze auf eine schwedische Telefonkarte – und schwupps! – war ich wieder online.

Schnell merkte ich allerdings auch: Auf Facebook herumzustöbern war schön, allerdings tauchten auch öfter mal Posts von der Arbeit auf. Ich wollte allerdings Urlaub machen, den Kopf freipusten und mal für zwei Wochen eher private Dinge lesen, und nutzte verstärkt Instagram. Nach ein paar Bildern aus Stockholm kriegte ich eine Nachricht: „Bist du gerade in Stockholm??“ Das konnte ich ja schnell bestätigen.

Gefragt hatte mich das Lene, eine deutsche Instagramerin aus Stockholm. Wir folgen uns schon eine Weile, kannten uns aber nicht persönlich. So ergab sich die Frage: Wollen wir uns nicht treffen? Zwei andere sind auch gerade hier! Treffen? Klar! → weiterlesen