Ich muss mich (nicht) entscheiden?!

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Angeregt durch einen Blogartikel von Bernd Slaghuis mit dem Titel „Berufliche Neuorientierung? Vergessen Sie’s!“ und den Prozess, den ich selber gerade durchlaufe, steht die Frage nach dem „Was will ich denn eigentlich“ hier im Mittelpunkt dieses Artikels.

Wer sich beruflich neu orientiert, sei es aufgrund eines Veränderungswunsches oder aus der „Not“ der Arbeitslosigkeit, kommt schnell zu der Frage: „Was will ich denn eigentlich in Zukunft machen?“. Weiter wie bisher oder etwas ganz anderes?

Und bei der ersten Überblickslektüre gerät man schnell an Fragen:

  • Was ist denn mein Traumjob?
  • Was kann ich richtig gut?
  • Woaruf will ich mich spezialisieren?

Alle Fragen zielen auf Traumerfüllung ab – wenn der bisherige Job vielleicht nicht so der Knaller war, jetzt endlich mal das machen, was ich schon immer wollte. Oder auf Zuspitzung: Konzentriere dich auf das, was du ganz besonders gut kannst: Kunden beraten, die Elefanten als Haustiere haben und für diese eine Spezialnahrung suchen. Das wäre in der Tat eine Nische. (Ein Stichwort hierzu ist die „engpasskonzentrierte Stategie„)

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In der Tat ist es doch schön, wenn man als Arbeitssuchender sofort eine total gute Idee hat, die auch realistisch umzusetzen ist. Diese Menschen hegen im besten Fall weder Zweifel noch Sorgen. Wer Spezialwissen hat und große Freude daran, soll es auch nutzen!

Andere Menschen hingegen zermatern sich das Hirn:

Was ist um Himmels willen mein Traum? Was will ich bloß? Worauf soll ich mich spezialisieren – und bitte dann auch noch Spaß daran haben?

Scanner sind anders: Am liebsten ganz viel!

"buchhandel.de/Weil ich mir ähnliche Gedanken machte und durch einen Buchtipp las ich vor einiger Zeit das Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“ von Barbara Sher.

Darin stellt sie die These auf, dass manche Menschen unglaublich viele Interessen haben. Manche widmen sich jede Woche oder jeden Monat einem neuen Thema, andere alle paar Jahre. Gleich ist diesen Menschen, die sie Scanner nennt: Irgendwann wird ihnen langweilig mit dem bisherigen Job, Hobby oder Interessensgebiet.

Scanner brauchen dann wieder einen neuen Reiz. Manche beschäftigen sich ständig mit einer bestimmten Anzahl von Themen gleichzeitig, andere bearbeiten ihre Interessen nacheinander und abgegrenzt. Gemeinsam ist Scannern: Die Vorstellung, sich im Leben nur auf ein bestimmtes Gebiet zu spezialisieren, lässt sie erschaudern. Etwas fallenlassen, sich entscheiden müssen? Undenkbar.

Entscheidung oder Spezialsierung wird hier also nicht zur Chance, zur Nische – sondern zum Drama. Die meisten Scanner (und ich oute mich jetzt mal: Ich zähle mich dazu…) empfinden daher einen großen (gesellschaftlichen) Druck, sich irgendwie entscheiden zu müssen. „Welchen Beruf wähle ich denn nun?“ – „Auf welche Kunden soll ich mich besonders ausrichten?“ – „Am liebsten würde ich einen Job ausüben, der all meine anderen Hobbies mit einschließt!“.

Was die meisten nicht wahrnehmen: Hier spielen Erwartungen von außen eine große Rolle. Wer sagt uns, ob oder dass wir uns entscheiden müssen? Die Gesellschaft, die Eltern oder Familie, die „anderen“. Innere Stimmen zwingen Scanner so oft in Jobs, in denen sie vielleicht sogar eine Weile glücklich sind. Nach einer Weile tauchen aber Zweifel auf und die Arbeit hört auf, Spaß zu machen.

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Wie kann ich als Scanner erfüllt arbeiten?

Barbara Sher gibt in ihrem Buch Tipps, welche Bereiche Scanner häufig ansprechen, z.B. als Buchautoren oder Journalisten, als Künstler mit unterschiedlichen Projekten oder einfach in häufig wechselnden Jobs. Welche Strategie für jeden persönlich die beste ist, hängt vom Scannertyp ab.

Für mich habe ich herausgefiltert:

  • Ich arbeite gerne in bzw. an Projekten. Festgelegte Zeiträume für bestimmte Inhalte liegen mir, dann ist das Thema in sich abgeschlossen. Das können WordPress-Seiten sein, aber auch Artikel zu bestimmten Themen.
  • Die Inhalte dürfen abwechslungsreich sein. Nur WordPress-Seiten zu bauen, wäre mir zu „wenig“. Als Ausgleich darf sich dann gerne ein Fotoprojekt oder ein Reisebericht anschließen.
  • Daraus folgt: Ich mag es bunt. Aus den eben genannten verschiedenen Inhaltstypen könnte man z.B. „Webseiten, Fotografieren und Schreiben über Reisethemen“ herausfiltern. Ich weiß aber, dass mir andere Bereich dann fehlen würden. Daher: Bunt ist besser!
  • Ein schönes Bild finde ich die Honig sammelnde Biene: Wie eine Biene nicht nur eine Blumensorte bevorzugt und nicht nur eine Blume komplett leersaugt, hüpfe ich sozusagen von Projekt zu Projekt.

Etwas Neues anfangen? Ja bitte!

Was ich außerdem gemerkt habe: Ich stoße gerne Ideen an. Egal ob beim Brainstormen mit Kollegen oder Bekannten, oder in der Diskussion mit Freunden.

So könnte ich mir durchaus vorstellen, jede Woche ein neues Portal aufzumachen: Eine Webseite bzw. ein Magazin zum Thema Existenzgründung, eins zum Thema Hochsensibilität, eines zu Social-Media-Themen, ein weiteres für achtsame Fotografie-Projekte und noch eins zu Sketchnotes und Zeichnungen. Nächste Woche kömmen dann weitere Dinge dazu 🙂

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Um es rund zu machen: Natürlich frage auch ich mich, „was ich wirklich will“. Was mein Traumjob ist – oder ob es den überhaupt geben kann. Und ehrlich gesagt: Ich habe ihn schon. Mit schokofisch kann ich Projekte aller Art realisieren: Bunt, abwechslungsreich, kreativ. Deshalb habe ich auch das Layout der Webseite verändert und neue Punkte hinzugefühgt. Aber das nur am Rande.

Als Bloggerin habe ich hier jedenfalls tolle Möglichkeiten, immer wieder neue Themen und Aspekte aufzugreifen – und das genieße ich sehr!

Was wichtig ist

Wenn du selber auf der Suche bist, schau genau bei dir selber: Was für ein Typ bist du? Liebst du die kontinuierliche Arbeit an einem Thema, und kannst dir vorstellen, das die nächsten Jahre zu machen? Dann gibt es vielleicht wirklich das eine Arbeitsfeld für dich! Und das ist ja auch nichts Schlimmes – du weißt, was du magst und was du gerne machst!

Bist du allerdings eher der bunte Vogel und machst dir Sorgen, warum du nie bei einer Sache bleiben kannst? Dann ist das oben empfohlene Buch vielleicht etwas für dich. Mir hat es sehr die Augen geöffnet für die Vielfalt und die Abwechslung.

Gut zu wissen ist, dass alle Menschen unterschiedlich sind. Bin ich ein bunter Vogel und mein Partner wäre ein leidenschaftlicher Buchhalter, der seinen Job mag und das sein ganzes Leben weiter machen möchte, braucht es viel gegenseitiges Verständnis.

Und: Du brauchst für dich selber viel Verständnis. Es ist nicht schlimm, sondern toll, ein Scanner zu sein. Bienen sammeln ja schließlich auch erfolgreich ihren Honig, oder?

(PS: Die Bilder entstanden übrigens auf Gut Karlshöhe. Darüber habe ich hier gebloggt.)

Vielen Dank fürs Weiterempfehlen:

2 Kommentare

  1. Pingback: Mein Ideenbrutkasten | schokofisch

  2. Pingback: HSP und Scanner - (wie) funktioniert das? | schokofisch

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